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Japan zu Gast in Berlin-Hermsdorf



In Berlin-Hermsdorf gab es eine Reihe von Veranstaltungen, in denen Informationen über Japan im Mittelpunkt standen. Zur Auftaktveranstaltung im japanischen Garten der Firma Anthurium, Hermsdorfer Damm 139 gab es dazu eine Diskussion über viele Themen aus dem täglichen Leben in Japan mit Dr. Peter Nawrot.

Er hat viele Jahre in Tokyo gelebt und dort für die Firma Siemens die Anpassung von europäischen Industrieprodukten an den japanischen Markt, die Einführung von Siemenssteuerungen, Marktanalysen und Auswahl von japanischen Service-Standorten realisiert.

Heute berät er Firmen, die sich in Japan engagieren möchten. Unterstützungsdienstleistungen für die folgenden Fragen werden auf Consultingbasis angeboten:

 Erfolgreiche erste Schritte auf dem japanischen Markt
 Wie bereite ich mein Unternehmen auf den japanischen Markteintritt vor ?
 Wie betreue ich meine japanischen Kunden/Geschäftspartner bei Besuchen ?
 Wie wird mein Joint Venture mit einem japanischen Partner ein Erfolg ?

Bei Interesse erreichen Sie Dr. Peter Nawrot unter 030 712 2545 oder 0176 513 45 181.

Nachfolgend eine amüsante Zusammenstellung …


Was kann für mich interessant sein, wenn ich mich über Japan informieren möchte.
Fragen und Antworten

1. Wie reise ich am günstigsten nach Japan?

Per Flugzeug, Kosten etwa 600-700 Euro; oder mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok, dann per Schiff übersetzen nach Marioka in Japan/Niigata-ken (billiger, aber die Bahnreise allein dauert etwa 2 Wochen !)

2. Wann ist die beste Jahreszeit für eine Japan-Reise?
Entweder April/Mai zur Zeit der Kirschblüte (die sich in etwa 2 Wochen von Süden nach Norden bewegt) mit schon angenehmen Temperaturen oder September/Oktober (die Bäume werden langsam farbig) mit noch angenehmen Temperaturen; der Sommer ist feucht und heiß, der Winter wegen sibirischer Winde aus dem Norden ungemütlich.

3. Ich spreche kein Japanisch, wie kann ich mich verständigen?
Außerhalb von Tokyo sind nicht-japanische Informationen Mangelware; in Tokyo hilft Englisch. ‚Alle’ Japaner lernen Englisch als erste Fremdsprache, allerdings hat nur eine Minderheit Auslandserfahrung, bzw. Kontakte zu Ausländern. Ein Besucher wird also entweder als willkommener Sprachlehrer (für Englisch !) angesehen und auch angesprochen oder wegen zu erwartender kultureller Unterschiede und den damit verbundenen Problemen konsequent gemieden. Also, Englisch ist hilfreich, aber es wird doch immer zu Verständigungsschwierigkeiten kommen – was aber wegen der Hilfsbereitschaft der Japaner kein reisehinderndes Problem ist.

4. Sprechen die Japaner Englisch?
Siehe oben, eine Minderheit spricht Deutsch bzw. Französisch.

5. Wie finde ich mich in der 30-Millionen Metropole Tokyo zurecht?
Am besten per Bahn (U- oder ähnlich); alle 500 Meter stößt man im allgemeinen auf eine Bahnlinie. Busse sind meist nur in Japanisch ausgeschildert. Bei Taxifahrern – wenn sie denn Ausländer mitnehmen – ist mit Sprachproblemen zu rechnen (also auch mit Verständigungsproblemen) – zumindest sollte man eine verständliche schriftliche Weg- und Zielbeschreibung dabeihaben. Japanische Taxifahrer müssen oft auch den Zielort suchen (chaotische Straßennumerierungen) und reden ungern darüber – schon gar nicht mit Ausländern. In Wohngegenden ist ein Fahrrad zu empfehlen, wobei es an Bahnhöfen aber zu Parkproblemen kommen kann!

6. Was für Reiseziele gibt es sonst noch in Japan und wie komme ich dahin?
Weitere Reiseziele sind:
Nikko (Bahn), Yokohama (S-/U-Bahn), Nara/Kyoto/Osaka (Shinkansen), Hiroshima/Nagasaki (Shinkansen), Kyushu (Shinkansen /Flugzeug), Sapporo (Shinkansen/Flugzeug)
Ansonsten lohnt jeder Ausflug (per Bahn) hinaus aus Tokyo. Dabei ist ein Rail-Pass empfehlenswert (günstig).
Autobahnfahrten sind wegen der vielen Mautstellen und eines vergleichsweise mäßigen Autobahnnetzes nicht zu empfehlen.

7. Wie und wo übernachte ich in Tokyo / unterwegs ?
Hotels mit internationalem Standard gibt es in allen größeren Städten, sie sind jedoch sehr teuer (wegen der überwiegenden Zahl von Geschäftsreisenden). Bei kürzeren Aufenthalten bieten sich Jugendherbergen und Minshuku (Volksherbergen) an. Japaner übernachten gerne (?) in Gruppen, allerdings wird es kaum eine Herberge wagen, Japaner und Ausländer zusammen in einem Raum unterzubringen. Auch für Nicht-Japaner ist das Gruppenverhalten in den Herbergen gewöhnungsbedürftig. In Herbergen findet man häufig japanische Schlafgelegenheiten (Tatami).

8. Wie verpflege ich mich kostengünstig?
Grundsätzlich gibt es jede Küche der Welt in Tokyo. Das Frühstück besteht oft aus zentimeterdicken ‚Schaumgummi-Sandwiches’ oder Reis, Suppe und der kalte Fisch vom Vorabend. Lunch ist günstig, da es unzählige kleine Restaurants für die Millionen Werktätigen gibt, die in Tokyo (oder anderen großen Städten) keine Kantine besuchen können. Da allerdings für viele Restaurants wegen des mittäglichen Ansturmes diese Zeit auch die Hauptverdienstzeit ist, besteht ein gewisser solidarischer Zwang zum schnellen Herunterschlingen des Essens, da die nächsten Gäste schon warten. Ein langes Verweilen ist also unhöflich sowohl gegenüber dem Wirt als auch gegenüber den anderen Gästen. Beim abendlichen Dinner dagegen lässt man sich viel Zeit. Oft wird zusammen mit den Firmenkollegen (und Büromädchen) gespeist, allerdings auf Spesenrechnung, das bedeutet, das Abendessen teuer ist.
Günstige kleine Restaurants finden sich immer in Bahnhofsnähe. Besonders zu erwähnen sind die mittlerweile auch in Deutschland populären Rundlauf-Sushi, bei denen man sich vom Band bedient, ohne Wartezeiten (falls noch Plätze frei sind), und bezahlt wird nach Anzahl der Teller (an der Kasse, ohne Trinkgeld). In kleinen (Seven Eleven – rund um die Uhr/Woche) und größeren Supermärkten findet der hungrige Besucher Lunchpakete aller Art.

9. Was muss ich beim Bezahlen beachten? Wieviel Trinkgeld gibt man?
Kreditkarten sind – immer noch – selten in Japan, es wird meist bar bezahlt. Trinkgeld ist nicht üblich. S- und U-Bahnen werden nach Entfernung bezahlt, leider gibt es kein Verbundsystem, und damit kann es teuer werden. Taxi fahren ist teuer.

10. Wie sind die öffentlichen Verkehrsmittel (Bus, Bahn) ?
S- und U-Bahnen fahren nur bis kurz nach Mitternacht (und starten wieder gegen 3 Uhr früh). Zu Stoßzeiten sind die Bahnen voll und es wird gestoßen – die Bilder der die Fahrgäste in die Züge pressenden Bahnbeamten – bis zu 30 per Bahnsteig! – stimmen); gepäckbewehrte Touristen sollten die Rushhour meiden.
Zu Stoßzeiten bewegen sich Millionen von Japanern (in Tokyo). Das Abwarten des jeweils nächsten Zuges ist ziemlich sinnlos, der ist genauso voll. Das Ein- und Aussteigen verlangt eine gute strategische Planung der Passagierströme. Zu bedenken ist auch, das es Züge unterschiedliche Haltehäufigkeit gibt – ein Irrtum kann die Fahrzeit erheblich verlängern.

11. Kann frau/man in Tokyo Auto fahren / Fahrrad fahren ?
Parkplätze sind rar und teuer (über 300 Euro/Monat). Der Kauf eines Autos ist an den Nachweis eines Parkplatzes gebunden, was bei der Vielzahl verwinkelter kleiner Gassen, aus denen auch die Großstädte überwiegend bestehen, durchaus verständlich ist. Bei Überlandfahrten machen Mautstellen das Autofahren konkurrenzlos teuer. In Tokyo fährt man meist nur aus repräsentativen Gründen Auto, denn die Bahnen sind immer schneller, und ein Taxi kann man jederzeit anhalten (außer zwischen 22 und 23 Uhr wegen der heimkehrenden Salary-Men) und wieder verlassen. Tokyo ist durchzogen von städtebaulich schwer zu verantworteten Autobahnen (mehrstöckig).
In der Nähe von Bahnhöfen ist das Abstellen von Fahrrädern verboten, und die Polizei schleppt gnadenlos ab. In den engen Wohngebieten ist das Fahrrad oft die einzige sinnvolle Alternative. Auf den großen Straßen grenzt das Radfahren an Selbstmord, daher spielt sich der Radverkehr in ständigem Konkurrenzkampf mit den Fußgängern auf den oft schmalen Bürgersteigen ab.

12. Wie verhalte ich mich in einer Japanischen Wohnung ?
Gut beobachten und möglichst alles dem japanischen Begleiter gleichtun. An der Wohnungstür werden grundsätzlich die Schuhe ausgezogen, unabhängig davon, was die Gastgeber an den Füßen tragen oder sagen (also entsprechendes Schuhwerk wählen, Schnürschuhe können sehr hinderlich werden – Japaner haben deshalb oft Schuhe mit niedergetretene Hacken !). Hinein in die immer bereitgestellten Latschen (immer zu klein, das führt dann zum Japan typischen Schlürfen), damit ist der Besucher erst einmal sicher. Bis zum Tatami-Raum (die meisten Wohnungen besitzen mindestens einen), dort läuft man nur in Socken, aber nicht barfuss. Wenn man dann unglücklicherweise auf die Toilette muss gilt wie folgt: auf Socken über die Tatami, dann in die Hauslatschen, im Badezimmer dann in die dort bereitgestellten Badezimmerlatschen – und dann wieder in umgekehrter Reihenfolge. Konsternierte Gastgebergesichter und eine ins Formale tendierende Unterhaltung sind sichere Kennzeichen für einen Fehler im Latschenwechselablauf ...

Gastgeschenke sind nötig, möglichst nichts aus dem Supermarkt nebenan (aber im Notfall durchaus aus den Geschenkabteilungen der Kaufhäuser - z.B. Kuchen, Obst) und keine Blumen (ist nicht üblich und hat vielleicht eine nicht beabsichtigte Bedeutung). Kleinigkeiten aus deutschen Landen sind gerne gesehen, aber keine Panik, wenn nicht gleich ausgepackt wird – so wird der Gebende durch das vielleicht enttäuschte Gesicht des Empfangenden nicht gekränkt.
Beim Essen sollte alles probiert werden, unabhängig davon, wie und wonach es aussieht oder was es sein könnte – kein Japaner vergiftet seinen Gast (jedenfalls nicht absichtlich). Der Gebrauch von Stäbchen (O-Hashi) ist anzuraten, oft werden dem westlichen Besucher jedoch auch verletzungsfreie Bestecke angeboten, die aber gelegentlich nicht der japanischen Küche gerecht werden.
Nicht-Fischesser sind meist im Nachteil, es sei denn, „dem Gast angemessen’ wird europäisch serviert (was das auch immer heißen mag). Die Essensreihenfolge ist in Japan anders, Suppen kommen oft zum Schluss, und es wird auch nicht gleich abgeräumt, wenn ein Gang beendet ist. Gastgeber versuchen als üblichen Service die Gedanken des Gastes zu lesen. Das kann bei unterschiedlichen Kulturen aber ins Auge gehen ...

Die Zusammenstellung von meist nicht original japanischem Essen ist oft ungewohnt.
Kuchen, Wein, Bier, Suppe geben sich zugleich die Ehre. Der Gast sollte wissen, wann Schluss ist, japanische Wohnungen sind eng, und wegen oft langer Fahrzeiten wird früh aufgestanden.
Das Wohnen in japanischen Familien – eher eine seltene Sache – bedarf noch sehr viel mehr an Beobachtungs- und Anpassungsvermögen (z.B. die ‚Badewannen-Hierarchie’).

13. Ist Tokyo eine sichere Stadt?
Tokyo ist sicher. Im Vergleich mit anderen Millionenstädten zeigt Tokyo eine verschwindend geringe Zahl von Gewalttaten. Die Sicherheit wird einerseits durch starken sozialen Druck (Gruppenverantwortung) und andererseits durch die Bürgernähe der Polizei (Koban an beinahe jeder Straßenecke) gewährleistet.

14. Wo finde ich das ‚alte Japan’ ?
Das ‚alte’ Japan findet sich außerhalb von Tokyo. In kleinen Städten und Dörfern scheint oft die Zeit stehengeblieben zu sein, führt aber auch wegen der wegziehenden Jugend zur Überalterung. Traditionen werden gepflegt (Tempelanlagen, Festivals) und bilden die Basis des japanischen Nationalgefühls.

15. Sollte ich auf den Berg Fuji steigen? Wie und wann?
Der Fuji-san darf wegen unsicherer Wetterverhältnisse nur im Sommer bestiegen werden. Jeder Japaner muss in seinem Leben einmal oben gewesen sein – aber nur ein Narr geht ein zweites Mal. Auch im Sommer kann es passieren, dass plötzliche Schneestürme den Aufstieg unmöglich machen. Der Aufstieg ist – bei gutem Wetter – einfach, selbst 80-jährige kraxeln hinan. Die Luft wird in 3000m Höhe schon recht dünn, und eiskalt kann es auf dem Gipfel auch im Sommer werden. Der Weg bergauf ist mit Übernachtungshütten gepflastert (damit der Sonnenaufgang um 3 Uhr früh auf dem Gipfel genossen werden kann)

16. Was kann ich als Mitteleuropäer essen – und was nicht?
Japanische Nahrungsmittel sind gesund (höchste Lebenserwartung weltweit). In Tokyo gibt es alle Küchen der Welt. Nicht-Fischliebhaber haben nur das halbe Vergnügen, da immer noch ein großer Teil der Nahrungsmittel maritimen Ursprungs ist (und meist besser schmeckt). Gewöhnungsbedürftig ist vermutlich das Schlürfen roher Eier und der Verzehr lebender – oder gerade noch lebender – Meerestiere. Wohl der Frische wegen werden Fische, Garnelen, Krabben etc. noch ‚lebhaft’ zappelnd serviert. Oft zum Entsetzen der Ausländer und begleitet von hämischen Grinsen der Einheimischen.
Natto (Bohnen mit klebrigen Fäden) werden oft Ausländern erst gar nicht angeboten
(„es schmeckt Ausländer doch nicht!“) und bei Innereien sollte man den Ursprung der Gerichte nicht hinterfragen sondern tapfer schlucken.
Fugu klingt gefährlicher als es ist, die Köche verstehen ihr Handwerk, und wer verliert schon gerne einen Kunden? Obst sollte auf dem Markt gekauft werden und nicht als einzelne ‚Geschenkstücke’ zu überhöhten Preisen im Supermarkt.
Walfisch und Pferdefleisch gehören auch auf den Speisezettel. Bei Walfischen wird ja ‚nicht alles’ zu Forschungszwecken benötigt ... zum Glück.
Gutes Brot und Joghurt sind selten. Marzipan unbekannt, dafür wird der ausländische Gourmet an allen möglichen Stellen mit süßer Bohnenpaste konfrontiert.

17. Ich treffe Japanische Geschäftsleute (in Japan). Wie verhalte ich mich?
Das kann gesondert behandelt werden. Nur ein Tipp: Visitenkarten mitnehmen und deutsche Volkslieder lernen. Eine gewisse Euphorie für die Achsenmächte kann gerade beim Zusammentreffen mit älteren Japanern durchaus von Vorteil sein.

18. Ist Japan ein teures Land?
Ja. Tokyo ist noch immer die teuerste Stadt der Welt, obwohl nach dem Platzen des Bubbles 1990 die Grundstückspreise ins Bodenlose fielen (und für viele Firmen das Ende bedeutete). Einkommen und Lebensstandard sind hoch, und daher unterschätzen Besucher meist die täglichen Kosten für Transport, Ernährung, Eintritt, Übernachtung etc..
In Japan wird noch immer überwiegend bar bezahlt, und das Geld wechseln ist nicht immer trivial. Ein Abendessen im Restaurant kann sehr teuer sein, da die meisten Gäste dort Geschäftsleute sind und – noch ? – auf Spesenrechnung speisen.


19. Wie wohnen die Japaner?
Als Prinz Charles vor Jahren nach einem Japan-Besuch auf die Frage, wie die Japaner leben, antwortete:“ ... in Karnickelställen“, brach ein Sturm der Entrüstung los. Doch er hatte nicht unrecht.
Der Bodenpreis in Tokyo ist hoch, und daher sind die Wohnungen klein. Wegen der Erdbebengefahr gibt es Höhenbeschränkungen und eine Leichtbauweise, die den Ausweg in die Höhe schwierig macht. Wer mehr Wohnraum benötigt, muss lange Fahrzeiten in Kauf nehmen. Die Kapsel-Hotels sind eine Antwort auf die Platznot.
Im Norden auf Hokkaido herrscht keine Platznot, allerdings wird die Lebensqualität dort als geringer angesehen – und ein beruflich bedingter Umzug ist ein sozialer Abstieg.
Tokyo und andere Großstädte bestehen zu einem großen Teil aus kleinen 1-2 stöckigen Häusern. Familien leben oft noch zusammen, obwohl auch in Japan die Tendenz zur Kleinfamilie zu erkennen ist.

20. Was isst man/frau in Japan?
Die Ernährung basiert noch immer weitgehend auf Reis und Meeresgetier, aber natürlich sind McDonald’s, Curry-Reis, Steak-Häuser etc. mittlerweile weit verbreitet. Das Frühstück besteht oft aus den Resten des meist reichhaltigen gemeinsamen Abendessens (warm), d.h. Reis, Suppe und kalter Fisch. Oder das Frühstück wird im Büro eingenommen, wobei die Zutaten überall auf dem Weg zur Arbeit zusammengekauft werden können. Japanische Sandwiches sind pampig, füllen den Magen kurzzeitig, aber sättigen kaum. Automaten bieten nahezu jedes Getränk (warm und kalt), außerdem wird im Büro ständig grüner Tee und Kaffee gebraut
(von den Büromädchen).
Kartoffeln sind seltener, sie dienen mehr als Gemüse, es überwiegen Reis und Nudeln. Schwarzbrot wird selten gegessen, desgleichen Milchprodukte. Stark riechender Käse ist ein Party-Killer.
Das japanische Essen ist leicht verdaulich, sättigt aber nicht so sehr. Allerdings ändern sich die Eßgewohnheiten der Jugend, was auch im Straßenbild an der zunehmenden Körpergröße junger Japaner zu erkennen ist.

21. Essen die Japaner rohen Fisch und rohe Eier?
Ja. Rohe Eier werden gerne verquirlt und dann über den Reis gegossen (ochasuke)
Bestimme Krabben kommen lebend auf den Tisch und werden dort vor den Augen des Gastes ins kochende Wasser geworfen. Sushi sind mittlerweile weltweit verbreitet. Nicht jeder Fisch kann roh gegessen werden (manche werden gekocht oder eingelegt).

22. Was sind Kapsel-Hotels?
Kapsel-Hotels sind eine neuere Erfindung. In einer etwa 2.50 x 1 x 1m großen Kapsel, die mit anderen wie ein Regal angeordnet sind und die mit Leitern bestiegen werden, ist alles enthalten, was zur Übernachtung erforderlich ist (Radio, TV, Telefon, Kühlbox, Uhr, Zeitungen, Snacks). Benutzt werden Kapsel-Hotels in erster Linie von Geschäftsreisenden in der Nähe von Bahnhöfen.

23. Was sind Love-Hotels?
Love-Hotels sind meist architektonisch auffallende Gebäude (Schloß, Mühle, Festung, Burg, etc.). Man kann anonym ein- und auschecken (per Rohrpost), und die Räume sind verschiedenartig gestaltet und möbliert. Die Besucher sind oft auch Ehepaare, die der häuslichen Enge und den hellhörigen Wänden (Nachbarn, Kinder !) entfliehen.
Nach 22 Uhr, wenn alle einschlägigen Gäste den meist langen Nachhauseweg angetreten haben, kann man im Love-Hotel auch sehr günstig übernachten.

24. Was sind ’türkische’ Bäder?
In sogenannten Türkischen Bäder findet man(n) – trotz vielfältiger Proteste der türkischen Botschaft – Massagen und Mädchen. Das ‚Baden’ ist nur ein Aufhänger, da Prostitution offiziell verboten ist.

25. Gibt es noch öffentliche Bäder (sento) ?
Wegen der Enge des eigenen Heimes findet sich in allen Wohngegenden in der Nähe ein ‚Sento’ (öffentliches Bad). Für wenig Geld (etwa 1 Euro) lässt sich das obligatorische tägliche Bad abwickeln. Nach dem beinahe rituellen sorgfältigen Waschen (auch Haare und Zähne) steigt man/frau dann in das sehr heiße Wasser – dabei wird das Keuschheitstuch, das den züchtigen Marsch ins Wasser ebnet, dezent auf dem Kopf deponiert. Nach etwa 10 Minuten ist der japanische Mensch körperlich und seelisch gereinigt und entspannt.
Größere japanische Häuser besitzen ein ‚O-Furo’ – eine Sitzbadewanne. Hier gilt das gleiche wie oben, nur gibt es eine hierarchisch geordnete Badereihenfolge. Das Einseifen im Bad ist eine nicht tolerierte Kultursünde, weshalb wohl in diesen Bädern meist nur wenige Ausländer anzutreffen sind.
Japan ist das Land der heißen Quellen, die damit verbundenen meist landschaftlich herrlich gelegenen Badestellen heißen ‚Rodenburo’ – auch die Affen auf Hokkaido schätzen im Winter ein stundenlanges heißes Bad in der Quelle.

26. Gibt es noch Geishas in Japan und wie kann ich eine treffen?
Geishas mag es vereinzelnd noch geben, die ‚echten’ sind ausgestorben oder zumindest steinalt. Geishas dienen und dienten dem kulturellen Genuss (sie besaßen eine mehrjährige Ausbildung in Kunst, Tanz, Gesang, Sprache etc.);
Kimonogekleidete Frauen im Straßenbild sind selten, meist keine Geishas sondern Frauen auf dem Weg zur Hochzeit oder einem Fest – oder gehören zu einer Animiertruppe bei einer Geschäftseröffnung mit gnädig gestimmten Göttern.
Das Treffen mit einer Geisha ist nicht empfehlenswert – siehe oben -, und es wird sicher teuer.

27. Wie sieht das Nachtleben in Japan aus?
Ja, es gibt ein vielfältiges, nicht durch christliche Grundsätze eingeschränktes Nachtleben.

28. Werden die Japaner wirklich so alt, und wenn ja, warum ?
Wie alt die heutigen Japner werden, weiß niemand. Aber zur Zeit ist Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung. Fettarmes Essen mit vielen Meeresbeilagen, viel Bewegung (Arbeit) und vielleicht die gute mentale Betreuung in einer gruppenorientierten Gesellschaft haben dazu beigetragen. Japaner kennen keinen wirklichen Ruhezustand – sie tun immer irgendetwas.

29. Was ist Karaoke und warum lieben die Japaner es so?
Bei Karaoke (‚leeres Orchester’) Veranstaltung kann jeder (!) Teilnehmer/in zu einer Musikkonserve per Mikrophon ‚singen’. Da leider die meisten Akteure überhaupt nicht singen können und oft Schnulzen wählen, ist das Zuhören ein Graus und nur gemildert durch die Gelegenheit, sich irgendwann mit dem eigenen Gesang rächen zu können. Beim Karaoke scheinen sämtliche Hemmungen und jede Selbstkritik zu fehlen – vielleicht ist das ein Ausgleich zur oft doch als Stress empfundenen Gruppenkonformität der japanischen Gesellschaft.

30. Werden die Menschen wirklich wie Sardinen in die Züge gepresst ?
In Stoßzeiten steht etwa alle 10m (an jeder der 3-5 Türen der 10 Bahnwagen) auf einem 300m langen Bahnsteig ein Bahnbeamter, der die Menschen mit aller Kraft in den Zug presst – es ist nicht viel Zeit bei einem 3 Minuten Takt! Beim freiwilligen bzw. unfreiwilligen Ein- und Ausschwemmen passt der erfahrene Fahr’gast’ sich besser dem Menschenstrom an, denn Hindernisse werden hinweggeschwemmt – auch wenn sie zwei Beine haben. In Stoßzeiten werden die Sitze automatisch hochgeklappt, so stapeln sich die Menschen besser.

Im Zug selbst gibt es absolut keine Bewegungsfreiheit, Positionen von Gliedmaßen und Gepäck lassen sich nur unter größtem Kraftaufwand und sozialer Härten im Umfeld verändern. Wehe dem, der einen Niesreiz nicht unterdrücken kann ...

31. Sind Hochzeiten wirklich so teuer? Gibt es noch die Heiratsvermittlung?
Hochzeiten sind ein wichtiger gesellschaftlicher Bestandteil zur Festigung von sozialen Kontakten. Die Feierlichkeiten sind wie vieles in Japan stark formalisiert, nichts wird dem Zufall überlassen. Spezialfirmen arrangieren alles, und das Paar, bzw. die Eltern wählen nur die angemessene Preisklasse. Größe und Art der Geschenke und Gegengeschenke (jeder Gast erhält auch ein Geschenk zurück) sind genauestens geregelt. Im allgemeinen zieht die Braut sich zweimal um (traditionell, modern, Freizeit), bevor das Paar dann im Freizeitlook die Hochzeitsreise (meist 1 Woche Hawai) antritt.

Der Nakaodo ist der offizielle Heiratsvermittler, der noch einen großen Anteil der Ehen stiftet. Den Heiratswilligen werden Photos und Beschreibungen (einschließlich Sternzeichen etc. und manchmal unter Zuhilfenahme von Detektiven) vorgelegt, bei Interesse findet ein unverbindliches Treffen statt, und dann muß eine Entscheidung fallen. Der gesellschaftliche Druck zur Heirat auf Frauen über 25 ist noch immer sehr stark, unverheiratete Frauen über 30 (und Männer über 35) gelten gesellschaftlich als seltsam, und Männer beeinträchtigen ihre berufliche Laufbahn erheblich ohne den stabilisierenden Einfluss der Ehe. Liebesheiraten sind eher selten, man/frau vertraut bei einer gesellschaftlich so wichtigen Angelegenheit weniger auf Gefühle, denn eine Ehe verbindet in erster Linie zwei Familien. Daher ist auch die Scheidungsrate sehr gering – man/frau weiß, worauf (oder worauf nicht) man/frau sich eingelassen hat.

32. Warum besuchen so viele Menschen die Spielhallen (Pachinko) ?
Pachinko ist ein Flipper ohne Eingriffsmöglichkeiten. Kugeln rollen zufällig ins Ziel. Als Gewinn werden Kugel ausgegeben, die dann wieder eingeworfen oder in Waren eingetauscht werden (diese Waren können dann ein paar Meter weiter in Geld eingetauscht werden – Glücksspiel um Geld ist offiziell verboten).
Meist in Bahnhofsnähe liegen mehrstöckige riesige Pachinko-Hallen, immer gut besucht von Hausfrauen, Studenten, Salary-Men, Rentnern usw. und erfüllt von dem ohrenbetäubenden Lärm der Maschinen.

33. Wie häufig sind Erdbeben? Sind die Häuser erdbebensicher?
Täglich ereignen sich in Japan mehre Erdbeben. Je nach Aufenthaltsort spürt man sie weniger (in Zügen, im Auto etc.) oder mehr (liegend). Die Wolkenkratzer und Autobahnen sollen erdbebensicher sein, allerdings dachte man das in Kobe auch. Niemand weiß genau, wie Wolkenkratzer bei einem größeren Erdbeben aufeinander einwirken – trotz vielfältiger intelligenter bautechnischer Vorsichtsmaßnahmen.
Wohnhäuser sehen oft nur auf den ersten Blick massiv aus. Die Leichtbauweise soll auch Erdbebenfolgeschäden reduzieren. Größte Gefahr geht aber von den überall zu findenden überirdischen Strom- und Gasleitungen aus (Brände !). Das richtige (?) Verhalten bei Erdbeben wird ständig geprobt, und die Japaner scheinen mit dieser Gefahr ganz gut leben zu können.

34. Wo lerne/sehe ich in Japan Sumo / Karate / Aikido / Kendo / etc. ?
In der Sumo (Ringen) Saison sind die Fernsehkanäle voll mit Übertragungen, und der Höhepunkt ist ein – sehr teurer – Live-Besuch der mehrstündigen Veranstaltungen.
Mittlerweile gibt es auch Sumo - Schulen in Europa, es ist jedoch zu Bedenken, dass eine Auswahl in frühester Jugend beginnt und von langen Jahren der Mast und des Trainings begleitet ist. Sumo-Ringer haben einen hohen gesellschaftlichen Rang (wenn’s Japaner sind !), gute Heiratschancen, aber eine kurze Lebensdauer.

Kampfsportarten findet man an vielen Stellen im Land. Judo und Kendo gehören in jedes Schul- und Universitätsprogramm und sind Standard bei der Polizei. Filme und Fernsehkanäle zeigen Unmengen von Kampfsportszenen, und Serien aus der japanischen Feudalzeit sind sehr populär.

35. Wo lerne/sehe ich in Japan Ikebana / Chado / Butoh / Noh / Kabuki / etc. ?
Die schönen Künste finden sich in Schulen und in großen Kaufhäusern. Da es sich hier wie bei den Kampfkünsten um jahrelanges Lernen handelt – es werden ja nicht nur technische Fertigkeiten erlernt, sondern der Ausübende soll seine spirituelle Mitte finden -, wird der Tourist nur optisch einen Eindruck gewinnen können.
Theater wie Butoh (pantomimischer Tanz), Kabuki (lustiges Theater, nur Männer in allen Rollen), Noh (klassisches Theater, auch nur Männer), Bunraku (Puppenspiel) dauern oft lange (Stunden und mit Essenspaketen !) und sind sprachlich mühsam.


36. Warum jagen die Japaner noch Walfische (angeblich zu Forschungszwecken) ?
Auch Walfleisch (roh !) steht seit Jahrhunderten auf dem Speiseplan der Japaner, oft verzehren Ausländer mit Genuss den ‚fremden Fisch’ – und wissen nicht, dass sie einen Walfisch auf dem Sushi - Teller haben.
Eßgewohnheiten ändern sich langsam, und so trifft es sich gut, dass beim ‚wissenschaftlichen Walfang’ die nicht verwendbaren Reste in die Küche kommen können.

37. Warum hat Japan kein Militär ?
Es war nach dem zweiten Weltkrieg verboten, und die Japaner haben schnell gemerkt, dass es wirtschaftlicher ist, unter dem militärischen Schutz der Amerikaner die gesparten Rüstungsgelder in die Industrieentwicklung zu stecken.
Japan besitzt mittlerweile allerdings ‚Selbstverteidigungsstreitkräfte, die aus der Sicht eines naiven Beobachters als eine der stärksten Armeen in Südostasien bezeichnet werden könnte. So kann man zugleich pazifistisch und militärisch stark sein.

38. Wie und wie lange leben die Japanischen Sumo - Ringer (sumotori) ?
Potentielle Sumo - Ringer werden in frühester Kindheit ausgewählt und in speziellen Sumo-Schulen ausgebildet. Da der Höhepunkt einer Karriere – nur wenige schaffen es ! – zwischen 25 und 30 Jahren liegt, muß das Training früh beginnen. Da die für den Kampf notwendige Körperfülle (tiefer Schwerpunkt beim gegenseitigen aus dem Ringschieben) auf Dauer wohl nicht ganz gesund ist, hören die meisten Karrieren ab Mitte 30 auf, und die Lebenserwartung ist sehr viel geringer. Erfolgreiche Sumotori sind gesellschaftlich hoch angesehen. Nicht-Japaner (meist aus Hawaii oder der Mongolei) haben es schwerer, selbst wenn sie erfolgreich sind.

39. Gibt es noch die berühmten Perlentaucherinnen (amas) ?
Ja, in den Tourismuszentren, heute allerdings züchtig bekleidet.

40. Was ist die “Electric City” (Akihabara) ?
In Akihabara, einem nördlichen Stadtteil von Tokyo, befinden sich auf einer etwa 1qkm großen Fläche hunderte von kleinen, mittleren und großen Geschäften mit elektrischen Geräten aller Art, von Haushaltsgeräten über Unterhaltungselektronik und Computern bis zu Industrieelektronik. Japanische Firmen werfen ihre neuesten Entwicklungen in Akihabara auf den Markt, und nur wenn sie dort erfolgreich sind, werden sie im ganzen Land (und manchmal im Ausland) vertrieben. Akihabara ist also ein riesiger, für den Kunden relativ kostengünstiger Testmarkt.
Da auch in zunehmendem Maß Ausländer in Akihabara einkaufen, werden mittlerweile auch Geräte für den Gebrauch im Ausland (z.B. 220V) oder durch Ausländer (z.B. englische Benutzeroberfläche) angeboten.
Die Qualität japanischer Produkte ist immer ausgezeichnet, auch bei niedrigen Preisen. Keine Firma kann sich den Ruf minderer Qualität leisten, denn sonst werden auch die teueren Produkte angezweifelt.

41. Gibt es Klassengegensätze oder ‘Unterklassen’ in Japan ?
Bis Mitte des 19.Jahrhunderst war Japan eine strikte Klassengesellschaft (Samurai, Bauern, Handwerker, Kaufleute). Heute ist Japan offiziell eine klassenlose Gesellschaft, die meisten Japaner bezeichnen sich als der Mittelschicht zugehörig, und Reichtum wird – anders als zum Beispiel in chinesischen Gesellschaften – nicht herausgestellt. Diese Uniformität ist aber weniger durch die Einkommen als durch den Wunsch, nicht anders zu sein als andere begründet.

42. Wer sind die Ureinwohner Japans (Ainu) ? Woher stammen die Japaner ?
Die Ainu sind eurasisch wirkende Ureinwohner Japans ohne irgendwelche asiatischen Merkmale. Sie wurden von den aus dem Süden hereinwandernden (Südseevölker ?) neuen Bewohner vertrieben und wohnen heute als folkloristische Attraktion in wenigen Dörfern auf Hokkaido.
Die Herkunft der Japaner ist unklar, eine Abstammung von den Göttern wurde zwar lange propagiert, ist aber doch recht unwahrscheinlich. Grabungsfunde koreanischen Ursprungs unterliegen größter Geheimhaltung, denn das würde nicht ins japanische Geschichtsbild und zum japanischen Selbstverständnis passen.
Kulturell war der chinesische Einfluss sehr stark (Schriftsprache, Religion, Kunst, Malerei, Philosophie, etc.), nach der Öffnung des Landes Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele Gesetze, Verfahren und Methoden aus dem Westen (England, Deutschland, USA) übernommen (Militär, Verwaltung, Rechtssprechung, Wirtschaft).


43. Gibt es viele Ausländer in Japan ? Welche Nationalitäten ? Wie sind sie angesehen ?
Bezogen auf eine Gesamtbevölkerung von 120 Millionen gibt es wenige Ausländer in Japan. Die meisten wohnen zudem in Tokyo. Es sollen 70-80.000 Ausländer sein, wobei die etwa 800-900.000 Japaner koreanischen Ursprungs nicht als Ausländer gezählt werden.
Amerikaner und Europäer sind in der Mehrzahl, aber es kommen auch zunehmend Menschen aus Entwicklungsländern (illegal, per Touristenvisum). Westliche Ausländer sind angesehen (wegen der Achsen-Mächte-Vergangenheit und der deutschen Hochleistungsindustrie haben Deutsche immer noch ein hohes Ansehen) und haben in gewissen, ausländerorientierten Kreisen gute Heiratschancen – was für farbige Ausländer im allgemeinen nicht gilt.

44. Warum ist die Selbstmordrate in Japan so hoch ?
Die japanische ist wohl die weltweit höchste Selbstmordrate. Einerseits war (und ist ?) ein Freitod ein hoch angesehenes Mittel, den eigenen Standpunkt konsequent zu vertreten (politisch, gesellschaftlich), hier sei nur an den Freitod des rechtsnationalen Künstlers Mishima in den 60er Jahren und die vielen gemeinsamen Freitode wegen gesellschaftlich unüberwindbarer Hürden durch unglückliche Paare erinnert. Ein japanisches Film- oder Bühnen ’happy end’ kann durchaus ein gesellschaftlich akzeptierter Freitod sein.
Vermutlich kann der in einer Konsensgesellschaft unterschwellige vorhandene Anpassungsstress in Extremfällen auch zu Selbstmord führen.


45. Was versteht man unter ‚lebenden Denkmälern’?
Meist alte Japaner, die besondere Fähigkeiten in alten Künsten oder Handwerk (z.B. Schmiedekunst) besitzen, können zu lebenden Denkmälern erklärt werden, was mit viel Ehre und ein wenig finanzieller Unterstützung verbunden ist.

46. Ist Japan eine Konsensgesellschaft ? Und was bedeutet das?
Eine Gruppengesellschaft – im Gegensatz zur Klan-, bzw. Familiengesellschaft - , die über Jahrhunderte hinweg nur als Gruppe überleben konnte (z.B. nur gemeinsamer Reisbau auf Terrassen möglich), vertraut dem Einzelnen natürlicherweise weniger als der Mehrheit. Auch wenn ein Einzelner nicht mit der Gruppenmeinung oder den -zielen übereinstimmt, wird er sich der Gruppe unterordnen.
Um diesen Konsens zu erreichen, wird sehr viel Zeit aufgewendet. Dafür wird ein am Ende gemeinsamer Beschluss nicht mehr von Einzelpersonen in Frage gestellt oder hintertrieben. 49:51 Entscheidungen sind nicht denkbar.
Die Integration in eine Gruppe und die Gruppenharmonie haben einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert, und jedes Gruppenmitglied genießt den Schutz der Gruppe.
Ein Sprichwort sagt: „Herausragende Nägel müssen eingeschlagen werden!“

47. Wie sind die Firmenstrukturen in Japan ?
Die überaus komplizierte Struktur gerade großer japanischer Firmen, bzw. Konzerne lässt sich nicht in Kürze behandeln. Die nach Ende des zweiten Weltkrieges von den Amerikanern zerschlagenen Großkonzerne (Zaibatsu) haben sich wieder neu formiert.

48. Wie ist die Stellung der japanischen Frau in der Gesellschaft? Ist Japan eine Männergesellschaft?
Es herrscht keine Gleichberechtigung in Japan. Die Führungspositionen sind nahezu ausschließlich von Männern besetzt. Ausnahmen bilden der Medizinbereich und Kindergarten/Schulen. Auch weibliche Angestellte mit Studium werden in den Büros in erster Linie für einfache Arbeiten eingesetzt (‚Office Ladies’) – man(n) spricht von der Blume am Arbeitsplatz, und das ist nicht einmal zynisch gemeint. Mit steigendem Alter werden die Office Ladies im noch immer altersmäßig strukturierten Geschäftsleben bei meist gleichbleibender Arbeit immer teurer; damit wächst der gesellschaftliche Druck zur Heirat. Noch immer steht nur der Mann im Erwerbsleben und die Frau kümmert sich um Haushalt und Kinder (und verwaltet oft auch die Finanzen). Diese Arbeitsteilung gilt nur solange, bis die Kinder aus dem Haus sind. Dann versuchen die Frauen einen neuen Einstieg in das – für sie schlecht bezahlte – Erwerbsleben, oder frau organisiert sich in diversen weiblichen Freizeit- und Hobbygruppen, wenn der Mann genug verdient.

49. Wie ist das Lehrsystem aufgebaut ? Entscheidet wirklich schon der Kindergarten über den Lebensweg?
Ein guter Job erfordert das Studium an einer renommierten (meist staatlichen) Universität, der Eintritt in eine gute Universität erfordert den Abschluss einer renommierten Oberschule, der Eintritt in eine gute Oberschule erfordert einen Abschluss an einer guten Grundschule, und zur Vorbereitung auf die Grundschule gibt es Vorschulen. Damit entscheiden die Vorschulen bereits den Lebensweg eines Japaners, und auch deshalb redet man von ‚Kyoiku-Mama’, von Müttern, die ihre Kinder durch die Lehranstalten fördernd begleiten (Kyoiku bedeutet ‚Ausbildung’).
Die besten Universitäten sind staatlich (Todai – Universität Tokyo, Kyodai – Universität Kyoto), dann kommen die guten privaten Universitäten (Jochi Daigaku, Keio Daigaku etc.), dann die schlechteren staatlichen und am Ende die schlechteren privaten Unis. Die Berufschancen sind dementsprechend.
Für die meist weibliche Studenten werden die Tanki-Daigakus (Daikaku bedeutet Universität) angeboten, auf denen in zwei Jahren überwiegend hauswirtschaftliche Fähigkeiten vermittelt werden, also etwa eine Vorbereitung auf die Ehe.
Die Studiengänge beginnen im April, dauern vier Jahre und enden im März, worauf dann im April in allen Firmen die Neuzugänge auftauchen.

50. Sind die Japaner Workoholics? (1900 Stunden Arbeit/Jahr)
Japaner sind durchschnittlich 1900 Stunden (Deutschland etwa 1450 Stunden) ‚beschäftigt’. Das sagt noch wenig über die Produktivität aus. Gerade in Büros ist Anwesenheit – und die Dauer der Firmenzugehörigkeit – ein wichtiges Kriterium für die Laufbahn. Japaner sind ständig beschäftigt, nur am Sonntag wird im Rahmen der Familie entspannt. Japaner, die zu früh nach Hause kommen, werden von ihren Frauen gefragt, ob ihnen gekündigt wurde. Man/frau bleibt so lange am Arbeitsplatz wie der Vorgesetzte. Urlaub – zwei Wochen im Durchschnitt – werden nur zum Teil genommen, da für besondere Anlässe, bzw. den Krankheitsfall (unbezahlt, wenn kein Urlaub genommen wird) gespart wird.
Offiziell gibt es die 5-Tagewoche, doch das gilt nicht für die 70-80% Beschäftigten in kleinen und kleinsten (Zulieferer)-Firmen. Dort wird üblicherweise auch Sonnabends gearbeitet, vielfach auch Sonntagvormittags. Das Familienleben beschränkt sich dann auf Sonntagnachmittag.

51. Wie ist der Service in Japan?
Japan ist ein Service-Land. Der Kunde ist König. Dienstleistungen sind eine normale Arbeit und haben keinen geringeren gesellschaftlichen Stellenwert. Durch diese Anerkennung finden die Japaner vermutlich auch bei einfachen Tätigkeiten Befriedigung im Beruf, auch wenn die Löhne entsprechend geringer sind. Auch für ältere Japaner (oft ist mit 55 Jahren das Berufsleben zu Ende, aber die Rente erfolgt erst ab 60 Jahren) sind einfachere Arbeiten eine Alternative zur Überbrückung bis zum Rentenalter, wenn sie nicht den gleichen Job am gleichen Arbeitsplatz bei halbem Gehalt weitermachen.
Service ist selbstverständlich, was oft dazu führt, dass der Kunde nicht bereit ist, Serviceleistungen im Zusammenhang mit Einkäufen extra zu bezahlen.

52. Sind die Japaner religiös? Stimmt es, das ein Japaner Buddhist und Schintoist zugleich sein kann?
Japaner können zugleich Buddhist als auch Schintoist sein. Beides sind keine ausschließenden Religionen wie das Christentum und der Islam. Japaner sind der Natur und den Ahnen verbunden (Schintoismus, z.B. Hochzeitszeremonien). Gleichzeitig haben sie aus China den Buddhismus übernommen (z.B. Zen, Geburt und Tod). Bis auf die Christenverfolgungen (aus politischen Gründen!) gab es in Japan nie Glaubenskriege.
Das Christentum kam mit den Portugiesen nach Japan, wurde dann von der Regierung verboten, lebte und entwickelte sich im Untergrund weiter (Marienkult) und spielt heute nur noch eine untergeordnete Rolle.
Japaner beten regelmäßig an Schreinen, in vielen Wohnungen gibt es einen kleinen Hausaltar (Tokonoma) und die konfuzianischen Grund- und Lehrsätze haben die Gesellschaft geprägt.

53. Warum kaufen Japaner alle das Gleiche, um ihre Individualität zu zeigen?
Japaner handeln gerne gruppenkonform. Auch wenn sie ihre Individualität zeigen wollen. Einerseits kann es nicht falsch sein, das zu kaufen, was alle kaufen. Und wenn man etwas kauft, was die anderen nicht kaufen, diskriminiert man vielleicht den Kauf der anderen.
Japaner sind im Ausland gerne gesehene Kunden. Sie haben Geld, handeln nicht und treffen eine gemeinsame Kaufentscheidung.

54. Warum reisen die Japaner immer in Gruppen?
Trotz wirtschaftlichen Erfolges und immer besserer Verkehrsverbindungen reist nur eine Minderheit der Japaner ins Ausland. Das hängt einerseits mit den wenigen Urlaubstagen zusammen, andererseits fühlt man sich als Einzelner im Ausland unsicher. Daher sind Gruppentouren, bei denen alles bis auf die Minute geregelt ist – d.h. es sind keinerlei eigene Entscheidungen zu treffen – sehr beliebt. Oft sind die Gruppenmitglieder gleich oder ähnlich gekleidet, zumindest wird die Gruppenzugehörigkeit durch Buttons oder Fähnchen manifestiert.

55. Kulturschock Japan: Wie kommen Europäer mit den japanischen Sitten/der Japanischen Gesellschaft zurecht?
Es wird gesagt, dass man Japan entweder verfällt oder das Land hasst.
Liebhaber der japanischen Kultur und einzelner japanischer Künste, gruppenorientierte Menschen, die Geborgenheit suchen, können in Japan glücklich werden.
Starke Individualisten und Außenseiter haben es sehr viel schwerer. Und vielen emanzipierten Frauen (übrigens auch Japanerinnen, die längere Zeit im Ausland gelebt haben) fällt die Integration in eine männerorientierte Gesellschaft naturgemäß schwer.
Grundsätzlich sind die Japaner ein tolerantes und aufgeschlossenes Volk. Wer anderen Sitten und Gebrächen gegenüber aufgeschlossen und nicht übertrieben individualistisch ist, kann in der japanischen Gesellschaft durchaus Fuß fassen. Allerdings wird man sich damit arrangieren müssen, dass ein Ausländer schon wegen des äußeren Eindrucks immer ein Ausländer bleiben wird – auch wenn er mit einer Japanerin verheirat ist und perfekt Japanisch spricht.

56. Kulturschock Europa: Wie kommen Japaner in Europa zurecht?
Die relativ wenigen Japaner, die als Einzelpersonen nach Europa/USA reisen oder dort arbeiten/studieren können sich im allgemeinen leicht anpassen – wobei ihnen dann eher die Rückkehr nach Japan schwerfällt.

57. Salary Men
Jedes Jahr im April werden die Studienabgänger von den großen und mittleren Firmen als Angestellte eingestellt, wobei der Status der Universität eine entscheidende Rolle spielt. Nun wird man Salary Man (Gehaltsempfänger) – Frauen werden ‚Office Ladies’.
Salary Men tragen einen gedeckten Anzug, helles Hemd und Krawatte, dazu Aktentasche und ggf. einen Regenschirm. Da die meisten Unternehmen zur gleichen Zeit beginnen, wimmelt es zwischen 8:00 Uhr und 9:00 Uhr morgens von ähnlich gekleideten Männern jeden Alters, die zur Arbeit hasten. Kleidung kennzeichnet die Gruppe und ist auch ein gewisses Statussymbol.
Salary Men werden im allgemeinen nach Dauer der Firmenzugehörigkeit bezahlt und können sich ihre voraussichtliche Position der nächsten Jahre ausrechnen – solange sie gegen keine Unternehmensgesetze verstoßen..

58. Schulkleidung
Japan ist das Land der Uniformen, in den meisten Schulen herrscht Uniformpflicht oder man trägt zumindest uniformierte Kleidung. Jungen tragen eine Art Anzug mit Krawatte, Mädchen ein Jackett mit langem Rock. Bei Privatschulen steht der Name der Schule auf dem Revers und unterstreicht die Gruppenzugehörigkeit. Schuluniformen sind den Kindern so vertraut, dass sie auch außerhalb der Schule getragen werden.

59. Never take Yes for an Answer !
Das ist der Titel eines Buches über Japan.

Japaner sagen ungern ‚Nein’, eine direkte Ablehnung gilt als unhöflich. So bedeutet ‚Vielleicht’ eigentlich ‚Nein’ und ‚Ja’ bedeutet ‚Vielleicht’.
‚Hai’ (Yes oder Ja) ist also nie eine positive Antwort, sondern so zu verstehen, dass eine Frage akustisch zur Kenntnis genommen wurde. Eine positive Antwort besteht in einer Bestätigung der Frage, also ‚Ich komme ..., Ich tue ..., usw., trotzdem ist es oft besser, noch einmal nachzufragen. Ist die Antwort dann wieder wie oben, wird’s wohl klappen.
Hier wird verständlich, warum die Kommunikation manchmal mühsam wird, denn was meint ein englisch sprechender Japaner nun mit der Antwort ‚Yes’?


Die vorliegenden Fragen und Antworten sind persönliche Erfahrungen. Ein Anspruch auf Allgemeingültigkeit kann nicht erhoben werden.




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